Offener Brief an den Regierenden Bürgermeister und Kultursenator
von Berlin,
Herrn Klaus Wowereit
Zur Info an André Schmitz, Staatssekretär für Kultur
und
Michael Müller, Landes- und Fraktionsvorsitzender der SPD Berlin
Vom Aktionsbündnis Berliner Künstler gegen den Kulturabbau
in Pankow
www.aktionsbuendnis-berliner-kuenstler.de
kuenstlerprotest@aol.com
Per Mail
der-regierende-buergermeister@senatskanzlei.berlin.de
poststelle@kultur.berlin.de
michael.mueller@spd.parlament-berlin.de
Sehr geehrter Herr Wowereit,
in den letzten Wochen gab es einige schlechte Nachrichten für die
Berliner Kulturlandschaft, die durch Sparzwänge ausgelöst wurden
und große Diskussionen unter Künstlern, unter Politikern und
in der Öffentlichkeit ausgelöst haben. Nun kommt eine weitere
schlechte Nachricht hinzu. Die SPD- Fraktion in der BVV Pankow stellt
zusammen mit Bündnis90/ Die Grünen am 15.07.09 die Drucksache
841 zur Abstimmung, in der das größte kommunale Kulturzentrum
Berlins, das Kulturensemble am Thälmannpark, in seiner Existenz gefährdet
wird. Hier geht es aber nicht um Finanznot, hier geht es um reinen Lobbyismus!
Was passiert?
SPD und Grüne haben im April 2009 mit ihrer Stimmenmehrheit in der
BVV beschlossen, dass Kinder- und Jugendzentrum im Eliashof (Senefelder
Str.6) zu schließen, um dort eine Grundschule einzurichten. Den
Initiativen vom Eliashof wurde versprochen, nach Ersatzstandorten zu suchen.
Waren anfangs noch zahlreiche Alternativen im Gespräch, hat sich
die Aktivität von SPD, Grünen und den Initiativen aus dem Eliashof
sehr schnell auf eine Immobilie konzentriert: das Kulturareal am Thälmannpark.
Das Bezirksamt hat sich im Wesentlichen passiv verhalten.
Eine Begehung und eine Bedarfsanmeldung haben dann ergeben: Der Thälmannpark
hat 1.200qm Platz, die von den dortigen kommunalen Einrichtungen WABE,
Theater unterm Dach, Galerie parterre und Kunsthaus e.V. genutzt werden.
Die Initiativen aus dem Eliashof haben eine Bedarfsanmeldung von 1.100qm
Platz. Selbst bei Sanierung und Umbau könnte niemals das Doppelte
an räumlichen Kapazitäten gewonnen werden.
Damit hätte die Prüfung des Standorts Thälmannpark erledigt
sein können. Es kam aber anders
Noch im April 2009 hat Bezirksbürgermeister
Köhne (SPD) geäußert, es dürfe nicht zu einer Situation
kommen, "in der Kultur gegen Kultur ausgespielt wird". Doch
nun passiert genau das! Statt nach weiteren Alternativen zu suchen, haben
SPD und Grüne einen Antrag an die BVV gestellt, über den am
15.07.09 entschieden werden soll. In diesem Antrag haben sie
a) wider besseren Wissens erneut festgeschrieben, alle Initiativen vom
Eliashof in den Thälmannpark zu verlagern und
b) die Option eröffnet, die dortigen "Angebote zu verlagern".
Auf Deutsch: Hier wird ein Austausch der kommunalen Kultur gegen die Kinder-
und Jugendinitiativen vorbereitet! Bleibt die Frage- warum das Ganze,
wo es doch Alternativen gibt (die wir Ihnen bei Bedarf gern vorstellen
können)?
Wir bitten Sie, sich als Regierender Bürgermeister und Kultursenator
von Berlin mit genau dieser Frage schnell und aktiv in den Prozess einzumischen!
Wir haben kein Verständnis dafür, wenn ohne jede Notwendigkeit
durch die SPD und die Grünen in Pankow kulturelle Einrichtungen zerstört
werden, die berlinweit und darüber hinaus bekannt sind und mit geringstem
finanziellem Aufwand sehr erfolgreich arbeiten. Um diese Einrichtungen
zu schützen, hat sich das Aktionsbündnis Berliner Künstler
gegen den Kulturabbau in Pankow gegründet, dem inzwischen über
450 Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur angehören. Bitte lesen
Sie die Liste der Unterstützer und helfen Sie, den bedeutenden kommunalen
Kulturstandort zu erhalten und zu stärken!
Berlin, den 12.07.09
Mit freundlichen Grüßen
Aktionsbündnis Berliner Künstler gegen den Kulturabbau in Pankow