Herrn Heiko Thomas, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen
im Abgeordnetenhaus von Berlin, Kandidat für ein Direktmandat bei
der Bundestagswahl 2009 im Wahlkreis Pankow für die Grünen
Zur Info an die Vorsitzende des Ausschusses für kulturelle Angelegenheiten,
kultur- und medienpolitische Sprecherin der Grünen, Frau Alice Ströver
Vom Aktionsbündnis Berliner Künstler gegen den Kulturabbau
in Pankow
www.aktionsbuendnis-berliner-kuenstler.de
kuenstlerprotest@aol.com
Offener Brief
Per Mail
heiko.thomas@gruene-pankow.de
alice.stroever@gruene-fraktion-berlin.de
Sehr geehrter Herr Thomas,
in den letzten Wochen gab es einige schlechte Nachrichten für die
Berliner Kulturlandschaft, die durch Sparzwänge ausgelöst wurden
und große Diskussionen unter Künstlern, unter Politikern und
in der Öffentlichkeit ausgelöst haben. Nun kommt eine weitere
schlechte Nachricht hinzu. Bündnis 90/ Die Grünen und die SPD-
Fraktion in der BVV Pankow stellen am 15.07.09 die Drucksache 841 zur
Abstimmung, in der das größte kommunale Kulturzentrum Berlins,
das Kulturensemble am Thälmannpark, in seiner Existenz gefährdet
wird. Hier geht es aber nicht um Finanznot, hier geht es um reinen Lobbyismus!
Was passiert?
Grüne und SPD haben im April 2009 mit ihrer Stimmenmehrheit in der
BVV beschlossen, dass Kinder- und Jugendzentrum im Eliashof (Senefelder
Str.6) zu schließen, um dort eine Grundschule einzurichten. Den
Initiativen vom Eliashof wurde versprochen, nach Ersatzstandorten zu suchen.
Waren anfangs noch zahlreiche Alternativen im Gespräch, hat sich
die Aktivität von SPD, Grünen und den Initiativen aus dem Eliashof
sehr schnell auf eine Immobilie konzentriert: das Kulturareal am Thälmannpark.
Das Bezirksamt hat sich im Wesentlichen passiv verhalten.
Eine Begehung und eine Bedarfsanmeldung haben dann ergeben: Der Thälmannpark
hat 1.200qm Platz, die von den dortigen kommunalen Einrichtungen WABE,
Theater unterm Dach, Galerie parterre und Kunsthaus e.V. genutzt werden.
Die Initiativen aus dem Eliashof haben eine Bedarfsanmeldung von 1.100qm
Platz. Selbst bei Sanierung und Umbau könnte niemals das Doppelte
an räumlichen Kapazitäten gewonnen werden.
Damit hätte die Prüfung des Standorts Thälmannpark erledigt
sein können. Es kam aber anders
Noch im April 2009 haben Sie
in Ihrem Blog nach einem Besuch des Theaters unterm Dach geäußert,
"dass nicht die eine Bühne gegen die Andere ausgespielt werden
darf. Es kann nicht darum gehen die eine Bühne gegen die andere auszutauschen.
Das ist kein Zukunftstaugliches Konzept. Pankow wird beide noch dringend
brauchen."
Doch nun passiert durch Ihre Partei genau das! Statt nach weiteren Alternativen
zu suchen, haben die Grünen zusammen mit der SPD einen Antrag an
die BVV gestellt, über den am 15.07.09 entschieden werden soll. In
diesem Antrag haben Grüne und SPD
a) wider besseren Wissens erneut festgeschrieben, alle Initiativen vom
Eliashof in den Thälmannpark zu verlagern und
b) die Option eröffnet, die dortigen "Angebote zu verlagern".
Auf Deutsch: Hier wird ein Austausch der kommunalen Kultur gegen die Kinder-
und Jugendinitiativen vorbereitet! Bleibt die Frage- warum das Ganze,
wo es doch Alternativen gibt (die wir Ihnen bei Bedarf gern vorstellen
können)?
Wir bitten Sie, sich als Direktkandidat für die kommende Bundestagswahl
mit genau dieser Frage schnell und aktiv in den Prozess einzumischen!
Wir haben kein Verständnis dafür, wenn ohne jede Notwendigkeit
durch die Grünen in Pankow kulturelle Einrichtungen zerstört
werden, die berlinweit und darüber hinaus bekannt sind und mit geringstem
finanziellem Aufwand sehr erfolgreich arbeiten. Um diese Einrichtungen
zu schützen, hat sich das Aktionsbündnis Berliner Künstler
gegen den Kulturabbau in Pankow gegründet, dem inzwischen über
450 Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur angehören. Bitte lesen
Sie die Liste der Unterstützer und helfen Sie, den bedeutenden kommunalen
Kulturstandort zu erhalten und zu stärken!
Berlin, den 12.07.09
Mit freundlichen Grüßen
Aktionsbündnis Berliner Künstler gegen den Kulturabbau in Pankow