Offener Brief an Herrn Wolfgang Thierse, Bundestagsabgeordneter des Bezirks Pankow, Kandidat für ein Direktmandat bei der Bundestagswahl 2009 für die SPD

Vom Aktionsbündnis Berliner Künstler gegen den Kulturabbau in Pankow
www.aktionsbuendnis-berliner-kuenstler.de
kuenstlerprotest@aol.com


per Mail
wolfgang.thierse@wk.bundestag.de

Sehr geehrter Herr Thierse,

in den letzten Wochen gab es einige schlechte Nachrichten für die Berliner Kulturlandschaft, die durch Sparzwänge ausgelöst wurden und große Diskussionen unter Künstlern, unter Politikern und in der Öffentlichkeit ausgelöst haben. Nun kommt eine weitere schlechte Nachricht hinzu. Die SPD- Fraktion in der BVV Pankow stellt zusammen mit Bündnis90/ Die Grünen am 15.07.09 die Drucksache 841 zur Abstimmung, in der das größte kommunale Kulturzentrum Berlins, das Kulturensemble am Thälmannpark, in seiner Existenz gefährdet wird. Hier geht es aber nicht um Finanznot, hier geht es um reinen Lobbyismus! Was passiert?
SPD und Grüne haben im April 2009 mit ihrer Stimmenmehrheit in der BVV beschlossen, dass Kinder- und Jugendzentrum im Eliashof (Senefelder Str.6) zu schließen, um dort eine Grundschule einzurichten. Den Initiativen vom Eliashof wurde versprochen, nach Ersatzstandorten zu suchen. Waren anfangs noch zahlreiche Alternativen im Gespräch, hat sich die Aktivität von SPD, Grünen und den Initiativen aus dem Eliashof sehr schnell auf eine Immobilie konzentriert: das Kulturareal am Thälmannpark. Das Bezirksamt hat sich im Wesentlichen passiv verhalten.
Eine Begehung und eine Bedarfsanmeldung haben dann ergeben: Der Thälmannpark hat 1.200qm Platz, die von den dortigen kommunalen Einrichtungen WABE, Theater unterm Dach, Galerie parterre und Kunsthaus e.V. genutzt werden. Die Initiativen aus dem Eliashof haben eine Bedarfsanmeldung von 1.100qm Platz. Selbst bei Sanierung und Umbau könnte niemals das Doppelte an räumlichen Kapazitäten gewonnen werden.
Damit hätte die Prüfung des Standorts Thälmannpark erledigt sein können. Es kam aber anders… Noch im April 2009 hat Bezirksbürgermeister Köhne (SPD) geäußert, es dürfe nicht zu einer Situation kommen, "in der Kultur gegen Kultur ausgespielt wird". Doch nun passiert genau das! Statt nach weiteren Alternativen zu suchen, haben SPD und Grüne einen Antrag an die BVV gestellt, über den am 15.07.09 entschieden werden soll. In diesem Antrag haben sie
a) wider besseren Wissens erneut festgeschrieben, alle Initiativen vom Eliashof in den Thälmannpark zu verlagern und
b) die Option eröffnet, die dortigen "Angebote zu verlagern".
Auf Deutsch: Hier wird ein Austausch der kommunalen Kultur gegen die Kinder- und Jugendinitiativen vorbereitet! Bleibt die Frage- warum das Ganze, wo es doch Alternativen gibt (die wir Ihnen bei Bedarf gern vorstellen können)?

Wir bitten Sie, sich als Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Pankow und als Direktkandidat für die kommende Bundestagswahl mit genau dieser Frage schnell und aktiv in den Prozess einzumischen!

Wir haben kein Verständnis dafür, wenn ohne jede Notwendigkeit durch die SPD in Pankow kulturelle Einrichtungen zerstört werden, die berlinweit und darüber hinaus bekannt sind und mit geringstem finanziellem Aufwand sehr erfolgreich arbeiten. Um diese Einrichtungen zu schützen, hat sich das Aktionsbündnis Berliner Künstler gegen den Kulturabbau in Pankow gegründet, dem inzwischen über 450 Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur angehören. Bitte lesen Sie die Liste der Unterstützer und helfen Sie, den bedeutenden kommunalen Kulturstandort zu erhalten und zu stärken!

Berlin, den 12.07.09

Mit freundlichen Grüßen

Aktionsbündnis Berliner Künstler gegen den Kulturabbau in Pankow