ERSTE REAKTION DER GRÜNEN / 14.07.09
Kulturensemble Thälmannpark
Mindestens ebenso kontrovers wie die Auseinandersetzung um die Musikschule
ist die um das Kulturareal im Thälmannpark. Dass sich hier mehrere
Problemstränge vermengen, macht die Sache nicht leichter.
Grundsätzlich hätte die Diskussion um die Zukunft um das
Kulturensemble schon im letzten Jahr beginnen müssen, als das Bezirksamt
in seinem internen 19-Punkte-Programm zur strukturellen Sanierung des
Bezirkshaushalts den Kulturstadtrat anwies, die Überführung
in ein Treuhandmodell zu prüfen. Dies war ein klares Signal des
Bezirksamts, hier zu einer Kostenentlastung kommen zu wollen. Der Punkt
blieb jedoch von der Öffentlichkeit und auch den Betroffenen weitgehend
unbeachtet, und tatsächlich hat der Stadtrat anscheinend weder
mit Letzteren darüber gesprochen noch in diese Richtung etwas Erkennbares
unternommen.
Was aber in diesem Kontext zu lesen ist, ist die Tatsache, dass sich
das Kulturamt fürderhin mit einer Fortschreibung des Nutzungskonzepts
für den Thälmannpark beschäftigte. Ein erster Entwurf
hierfür liegt mittlerweile vor, der aber nicht als zukunftsfähig
überzeugen konnte. Denn zum einen blieb das Papier bei einem reinen
Aufzeigen der Stärken und Schwächen des Gesamtangebots auf
dem Gelände stehen. Vorschläge, was etwa für eine bessere
sozio-kulturelle Einbindung ins städtische Umfeld, eine stärkere
konzeptionelle Verbindung der einzelnen Angebote und ein leichter vermittelbares
Profil sorgen könnte, blieben Fehlanzeige. Der Nutzungskonzeptentwurf
wies dafür aber einen enormen Sanierungsbedarf auf von erst einmal
rund 6 Millionen Euro. Ein zweites Manko: das Nutzungskonzept spiegelt
überhaupt nicht wider, dass die Zeit inzwischen weiter gegangen
und eine neue Koordinate aufgetaucht war: Das Bezirksamt hat im März
vor dem Hintergrund der Schülerzahlentwicklung die Rückumwandlung
des Eliashof in eine Schule beschlossen und damit auch die Aufgabe,
möglichst für die Kulturprojekte, die dort mittelfristig ausziehen
müssen, ein neues Zuhause zu finden.
Um es klar zu sagen: aus meiner Sicht ist das Hinzukommen der Eliashof-Problematik
für den Thälmannpark auch eine Chance, viel mehr als eine
Bedrohung, auch wenn mir vollkommen klar ist, dass diese Sichtweise
bei den Kulturschaffenden des Thälmannparks umgekehrt angekommen
sein und schwer zu akzeptieren sein muss. In der von uns eingesetzten
Projektgruppe wurde dies mehr als deutlich. Und die vielfach geäußerte
Ablehnung ist für mich nachvollziehbar. Die neue Entwicklung um
den Thälmannpark ging für viele, die mit den anderen Debattensträngen
nicht befasst waren, viel zu schnell. Nun verlangen wir von den derzeitigen
AkteurInnen im Thälmannpark, sich potenziell von Strukturen zu
lösen, die über Jahre gewachsen sind, die sie zum Teil mit
eigenem Engagement aufgebaut und in denen sie sich wohlgefühlt
haben. Sich von Strukturen zu trennen, damit etwas Neues entsteht, erzeugt
natürlich zumindest immer dann eine Gegenwehr, wenn die Veränderung
nicht als Chance begriffen werden kann. Und das ist schwer in einer
Situation, in der eine Seite in ihren Überlegungen und in ihrem
Gedankenspiel für eine Lösung weiter ist als die andere Seite,
die sich dementsprechend überfahren fühlt.
Ich werbe dennoch für eine optimistische, nach vorn gewandte Sichtweise
des Prozesses, der in der Projektgruppe ausgehandelt wird. Hier sind
alle Kulturprojekte sowohl des Thälmannparks als auch des Eliashofs
vertreten und sie üben - zum Glück - einen enormen politischen
Druck aus in Richtung Lösung der Probleme. Mit anderen Worten:
Die schief gelaufene Schulentwicklungsplanung, der Eliashof und die
Projektgruppe und also auch die Prüfung, wie viel Synergie aus
Eliashof- und Thälmannparkprojekten hergestellt werden kann, sind
der Grund, warum des jetzt gelungen ist, den Thälmannpark auf Platz
Eins der Prioritäten-Anmeldeliste für das Förderprogramm
Stadtumbau Ost zu setzen - und dies scheint derzeit der einzig realistische
Weg, die Sanierung des Areals als Kulturareal bezahlen zu können.
Nur deshalb konnten außerdem Sanierungsmittel für ein bauliches
Gutachten frei gemacht werden (der Eliashof liegt im Sanierungsgebiet,
der Thälmannpark nicht); und die Senatsverwaltung für Kultur
hätte auch schwerlich, wie wir nun gehört haben, signalisiert,
Mittel für die Erstellung eines überzeugenden kulturell-inhaltlichen
Konzepts bereit stellen zu wollen, wenn es einfach um ein Weiter-So
ginge. Nichts von alledem ohne den Druck auf Rot-Rot, die gemachten
Fehler wieder gut zu machen.
All dies heißt nicht, dass es nicht ein für alle Seiten
sehr anstrengender, schmerzhafter Prozess ist, den wir jetzt durchlaufen.
Die passive Blockadehaltung des Stadtrats Dr. Nelken und seiner Linksfraktion
sind aus unserer Sicht hier, gelinde gesagt, wenig hilfreich und weniger
verzeihlich als die ein oder andere falsche Behauptung und aggressive
Tonlage in der Auseinandersetzung vonseiten der Betroffenen. Aber dafür
muss gewappnet sein, wer bei strukturellen Entscheidungen lieber inhaltlich-qualitativ
statt mit dem Rasenmäher vorgeht und wer sich seiner Verantwortung
für den ganzen Bezirk stellt. Ich darf in diesem Sinne für
uns sagen: Unser Ziel ist, den Thälmannpark auch über diese
Haushaltsberatungen hinaus als kulturelles Zentrum zu erhalten, seine
Ausstrahlung und kulturell-künstlerische Bedeutung sogar noch zu
erhöhen, um ihn umso resistenter gegen haushalterisch bedingte
Anfechtungen zu machen. Und: es geht ganz sicher nicht darum, die Thälmannpark-
und die Eliashof-Projekte einfach gegeneinander auszutauschen.
Ein Schelm, wer Anderes unterstellt