Pressemitteilung

29. Internet Blog von Stefan Liebich, Direktkandidat der LINKEN 20.09. 09

28. Berliner Zeitung 21.10. 09

27. Zitty 21/09

26. Tagesspiegel 25.09.09

25. Junge Welt 19./20.09.09

24. Pressemitteilung LINKE 03.09.09

23. extraDrei, Zeitung der Linken 09/09

22. Berliner Woche 02.09.09

21. Theater der Zeit 09/09

20. Berliner Zeitung 07.08.09


19. Vor Ort 07.08.09

18. Berliner Zeitung 29.07.09

17. Neues Deutschland 23.07.09

16. Berliner Woche 22.07.09

15. Kulturstaatsminister Bernd Neumann in der Berliner Zeitung 20.07.09

14. Berliner Zeitung 18.07.09

13. Pressemitteilung der SPD 16.07.09

12. Pressemitteilung des Kulturforums Nordost 16.07.09

11. Pressemitteilung der Linken in Pankow 16.07.09

10. Tagesspiegel 16.07.09

9. Webseite der Grünen 14.07.09

8. Berliner Zeitung 14.07.09

7. Neues Deutschland 13.07.09

6. tip-Redaktion 07.07.09

5. Berliner Morgenpost 03.07.09

4. Berliner Zeitung 02.07.09

3. Tagesspiegel 01.07.09

2. Neues Deutschland 01.07.09


1.
des Aktionsbündnisses Berliner Künstler gegen den Kulturabbau in Pakow

___________________________________________________________________

Chronologisch

 

1. Kulturareal im Ernst- Thälmann- Park existentiell bedroht

Vor zehn Tagen erst protestierten Berliner Künstler gegen die derzeitige Pankower Haushaltspraxis, zugesagte Fördergelder nicht auszuzahlen. Nun stellt sich heraus, dass SPD und Grüne in der Bezirksverordnetenversammlung Pankow den traditionsreichen und größten kommunalen Kulturstandort im Ernst- Thälmann- Park mit seiner jetzigen Nutzung ganz grundsätzlich in Frage stellen. Dazu gehören die erfolgreichen und über Berlin hinaus bekannten Einrichtungen WABE, Galerie parterre, Theater unterm Dach und Kunsthaus e.V..
Die Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Bildung Clara West (SPD) und der Vorsitzende des Ausschusses für Finanzen, Immobilienmanagement und Personal Cornelius Bechtler (Grüne) setzen Kulturstadtrat Dr. Michail Nelken (Linke) unter Druck, im Kulturareal Thälmann- Park Kinder- und Jugendinitiativen aus dem Eliashof unterzubringen, die dort einer Grundschule weichen müssen. Dies ist jedoch räumlich unmöglich und würde praktisch das Aus für die Kultureinrichtungen im Thälmann- Park bedeuten. SPD und Grüne sind offenbar in der Schuld der Initiativen vom Eliashof, denn dieser wurde in einer fragwürdigen Entscheidung erst vor wenigen Monaten mit der Stimmenmehrheit von SPD und Grünen geschlossen. Keine andere Partei wollte sich dieser Entscheidung anschließen. Der Bezirk Pankow wird eine Millionensumme an EU- Fördergeldern zurückzahlen müssen, obwohl es durchaus Alternativen zur Schließung des Eliashofs gegeben hätte und noch immer gibt!
Doch die Berliner Künstler wollen sich das Kulturareal Thälmann- Park als wichtigen Arbeitsort nicht wegnehmen lassen und sie nehmen auch die absurden Auswüchse der Berliner Sparpolitik nicht mehr hin.
Deshalb haben sich 207 bekannte Künstler aus Berlin, dem Umland und dem Ausland zusammengeschlossen, um zu verhindern, dass das Kulturareal Thälmann- Park unauffällig weggespart wird. Unter www.aktionsbuendnis-berliner-kuenstler.de äußern die Künstler ihren Willen, für den größten kommunalen Kulturstandort in Pankow zu kämpfen! Zu den Erstunterzeichnern gehören z.B. Armin Petras, Wir sind Helden, Katja Riemann, Andreas Dresen, Rosenstolz, Lutz Rathenow, Roland Gawlik, Mia, Leander Haußmann, die Puhdys, Christoph Hein, Corinna Harfouch, Jürgen Kuttner, Anna Thalbach und viele andere Künstler, die das Bild unserer Stadt künstlerisch prägen. Sie fordern alle Kollegen auf, mit ihrer Unterschrift und wenn nötig auch mit künstlerischen Aktionen für den Bestand der Einrichtungen zu kämpfen.

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

2. Neues Deutschland 01.07.09

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

 

3. Tagesspiegel 01.07.09

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

 

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________


von tip-Redaktion
Veröffentlicht: 07.07.2009

Neues aus der Kunstwelt Berlins
Ärger in Pankow

 

Ärger in Pankow: In den letzten Wochen hat sich ein Aktionsbündnis Berliner Künstler gebildet, die gegen Kulturabbau in Pankow protestieren. Schon für 2009 wurden nach einer Haushaltssperre sämtliche Fördermittel für freie Kulturprojekte gestrichen. Jetzt sehen die Künstler auch die Existenz des Kulturzentrums am Thälmann-Park in Gefahr. In dem Haus, in dem die Wabe, die Galerie Parterre und das Theater unterm Dach (Foto) Platz gefunden haben, sollen Teile eines Kinder- und Kulturzentrums aufgenommen werden. Für alle wird der Platz wohl nicht reichen.

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________


Webseite der Grünen Fraktion in Pankow 14.07.09


Stefanie Remlinger, Vorsitzende der Bezirksfraktion Bündnis 90/ Grüne hat auf der Website www.gruene-fraktion-pankow.de aktuell Stellung genommen zur Zukunft des Thälmannparks. Wer jedoch hofft, dass sie politische Lösungen anbietet, wird enttäuscht. Auch keine Erklärung dafür, wie das 1.200qm große Gelände noch die Initiativen vom Eliashof aufnehmen soll, die allein 1.100qm Platzbedarf für sich angemeldet haben. Darin sieht Frau Remlinger jedoch eine Chance für die Zukunft! Das vom Bezirksamt vorgelegte und vom Aktionsbündnis Berliner Künstler unterstützte Nutzungskonzept lehnt sie weiter ab. In der "Projektgruppe Thälmannpark" sagte Frau Remlinger dazu deutlich: "Bleibt es bei diesem Nutzungskonzept, gibt es kein Geld!"
Neu an der Stellungnahme ist, daß die Grünen jetzt versuchen, Stadtrat Michail Nelken (LINKE) für die Situation verantwortlich zu machen, die sie selbst heraufbes
chworen haben. Ob wohl jemand darauf hereinfällt?

Hier ist der Text von Stefanie Remlinger.

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

Pressemitteilung

Kulturforum Nordost fordert Handeln des Bezirksamt Pankow zur
Sicherung der Kulturangebote ein

Der Kulturforum Berlin Nordost e.V. spricht sich anlässlich der gegenwärtigen Debatte um das Kulturareal am Thälmannpark für die Sicherung der bestehenden Kultureineinrichtungen Theater unterm Dach, Galerie Parterre, Kunstwerkstätten/Jugendtheateretage und Wabe in diesem Kulturensemble aus. Zur Sicherung der Kulturinitiativen aus
dem Eliashof sollen dort oder in Alternativstandorten eine dauerhafte Lösung gefunden werden. Unser Mitglied Reinhard Kraetzer, Bezirksbürgermeister Prenzlauer Berg a.D., erklärt dazu: "Das Bezirksamt Pankow muß dafür Sorge tragen, das die traditionsreiche Spielstätte für freie Gruppen Theater unterm Dach, die über den Bezirk hinaus
bedeutsame Galerie Parterre und der für seine Kunstvermittlung verdienstvolle Kunsthaus e.V. uneingeschränkte Arbeitsmöglichkeiten behalten und die Kulturinitiativen des Eliashof gleichfalls sinnvolle
Möglichkeiten für ihre Arbeit in kommunalen Räumen bekommen. Die herausfordernde Aufgabe muß der Bezirksstadtrat Dr. Michail Nelken in kürzester Frist lösen. Es ist machbar."
Wir schließen uns dieser Forderung an.

Berlin, 16.07.2009

Vorstand des Kulturforum Berlin Nordost e.V.
I.V. Max E. Neumann
Vorsitzender

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

Bessere Bedingungen für Kultur in Pankow
Pressemitteilung
"Der Bezirk Pankow ist ein Kulturbezirk. Wir brauchen einen Standort wie das Kulturensemble Thälmannpark, der für viele Künstlerinnen und Künstler, die hier leben und arbeiten, Raum bietet. Einrichtungen wie das Theater unterm Dach leisten seit Jahren tolle Arbeit. Daran wollen wir anknüpfen", erläutert Clara West, Vertreterin der SPD-Fraktion in der von der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Pankow eingesetzten Projektgruppe zur Weiterentwicklung des Thälmannparkareals. Auf Antrag der Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen hat die BVV bei ihrer Tagung am 15. Juli 2009 beschlossen, einen externen Konzeptentwickler für das Gelände durch das Bezirksamt zu beauftragen. Ziel dabei ist, die Kulturförderung vor Ort zu stärken und das Kulturensemble insgesamt noch attraktiver zu machen.
Das Konzept soll gemeinsam mit den dort ansässigen Künstlerinnen und Künstlern und Einrichtungen entwickelt werden. Es gelte sowohl Perspektiven für die bestehenden Angebote wie auch Potenziale für neue Kooperationsmöglichkeiten aufzuzeigen, so West. Die fachliche Konzeption soll durch ein umfassendes Baugutachten ergänzt werden. Schließlich soll das zu erstellende Gesamtkonzept auch dazu dienen, Mittel für eine umfassende Sanierung des Standortes aus dem Programm "Stadtumbau Ost" zu beantragen. "Wir wollen mehr Kultur und weniger Verwaltung. Deshalb wird die Verwaltung des Kulturbereichs in andere Räumlichkeiten des Bezirks umziehen müssen", betont die SPD-Bezirksverordnete.
Des Weiteren werde durch den Beschluss auch die konzeptionelle und räumliche Ansiedlung der derzeit noch im Eliashof ansässigen Kulturinitiativen im Thälmannpark Platz geprüft. Im April hatte die BVV das Bezirksamt beauftragt zu prüfen, ob das Kulturensemble an der Danziger Straße für die "Eliashof"-Kulturangebote als Ausweichstandort in frage kommt. "Das Bezirksamt hat bislang die eingeforderte Prüfung nicht bearbeitet und weder ein Konzept für den Standort noch Aussagen oder Vorschläge zu einer möglichen Verlagerung der Angebote aus dem Eliashof gemacht. Wir brauchen aber eine klare Aussage, um den Kulturinitiativen grünes Licht geben zu können oder wenn nötig einen anderen Ausweichstandort zu finden. Daher muss jetzt ein externes Gutachten in Auftrag gegeben werden", so West abschließend.

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

Interview mit Winfried Glatzeder zum 40. Jahrestag der Mondlandung, Berliner Zeitung am 18.07.09

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

 

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

 

Textarchiv- Berliner Zeitung / Archiv » 2009 » 29. Juli » Feuilleton

Zwei Euro Stundenlohn

Plötzlich reicht das Künstlern nicht mehr. Die Berliner freie Szene nimmt Anlauf zur Rebellion

Birgit Walter

Ralf Ollertz und Toula Limnaios leiten ein 20-köpfiges Unternehmen mit eigener Produktionsstätte. Das Produkt ist in Deutschland und Europa gefragt, aber auch in Japan, Afrika, Australien, Südamerika und den USA. Die Marke besteht seit 13 Jahren und konnte langsam, aber stetig wachsen, so dass die Nachfrage das Angebot übersteigt. Ralf Ollertz bringt eine an Besessenheit grenzende Leidenschaft in seine Arbeit ein, dazu vier Diplome. Alles spricht dafür, dass er ein gemachter Mann ist, ein Erfolgsmanager, so etwas. Doch er spielt mit dem Gedanken, alles hinzuschmeißen, denn das Unternehmen stellt keine Schrauben her, sondern Kunst. Es ist die Compagnie Toula Limnaios mit Sitz in der Halle Tanzbühne Berlin in Pankow.
Ollertz ist jetzt Mitte vierzig und will ein Einkommen deutlich unterhalb der Armutsgrenze für sich und die Compagnie nicht mehr hinnehmen. Er ist Komponist, Pianist, Dirigent, Tonmeister und stellt nüchtern fest: Als Dirigent hat er früher mitunter an einem Abend mehr verdient als heute in einem Jahr. Heute, wo er sich bewusst für das Kreative entschieden hat, wo er Stücke mit Toula Limnaios macht und die Musik dafür schreibt. Die Compagnie steht 96 Mal im Jahr auf der Bühne, bringt jährlich zwei Uraufführungen heraus, hat ausverkaufte Vorstellungen - alles läuft optimal, denkt man. Aber die Mitglieder der Compagnie haben nach Ollertz' Rechnung ein Netto-Einkommen von 650 Euro, oft bei einer 60-Stunden-Woche. "Eine Weile hält man das durch, aber nicht dauerhaft", sagt der Künstler und Manager.
Was läuft falsch? Alles. Der Erfolg der Compagnie bei ihrer gleichzeitigen existenziellen Bedrohung ist ein Beispiel für das Versagen der jetzigen Fördermodelle, auf die die Freie Theaterszene angewiesen ist. Anders als die bildende Kunst oder die Literatur braucht die darstellende Kunst grundsätzlich Fördermittel, weil Theater und Tanz die Bühne voraussetzen und eine Art Apparat. Der refinanziert sich allenfalls im Unterhaltungssektor, der Rest braucht Geld. Das ist unstrittig, nur die Verteilungsmodelle taugen nicht mehr. Erstmals gibt es so etwas wie eine Rebellion auch unter Freien: Vertreter freier Theaterschaffender und Tänzer (LAFT und TanzRaumBerlin Netzwerk) verlangen mehr Geld: Sie wollen 10 Millionen statt wie bisher 4 Millionen Euro für die freie Szene. Damit sollen nicht mehr Künstler gefördert, sondern die vorhandenen anständig honoriert werden. Die, die trotz der Erfolge von skandalös niedrigen Einkommen leben müssen wie die Compagnie Toula Limnaios. Die Sprecherinnen der Protest-Initiativen, Anne Passow und Silvia Schober, nennen ihre Forderung Honoraruntergrenzen.
Morgen tragen sie ihr unerhörtes Anliegen dem Kulturstaatssekretär André Schmitz vor und werden verlangen, dass die Politik keine Ausbeutung in dieser Form mehr fördert. Schmitz dürfte dann darlegen, wie er sich einsetzen wird für die Szene, ohne die kleinste Aussicht auf Erfolg für seine Bemühungen zu versprechen. Die Schulden Berlins werden nicht unerwähnt bleiben. Schmitz wird denken, dass er nun wirklich Baustellen von anderen Dimensionen hat. Werden 240 Millionen für die Renovierung der Staatsoper reichen? Können drei Opern mit jährlich 120 Millionen auskommen? Das sind die Dinge, für die die Politik zuletzt Geldtöpfe geöffnet und sich stark gemacht hat. Nicht für die Armuts-Beträge dieser Freiberufler.
Ist die Forderung nun berechtigt oder unverschämt? Muss Berlin überhaupt alle Freiberufler auskömmlich subventionieren? Natürlich nicht. Nicht jeder Möchtegernspagatperformer kann Geld vom Staat erwarten, hat er auch nie bekommen. Es gibt in jeder Sparte zehn Mal so viele Anträge wie Fördermittel, nur die Besten haben Chancen, alles andere sortieren Juroren aus. Doch selbst wer sich zur Spitze entwickelt, bleibt unweigerlich im Förderdschungel stecken. Egal, ob sich eine Compagnie Ansehen und Größe erspielt - zu einer auskömmlichen langfristigen Förderung hat es nicht mal Sasha Waltz gebracht. Dafür ist das Fördermodell in mehreren Stufen, das eigentlich nach oben offen sein soll, zu undurchlässig. Und politische Tricksereien sorgen zusätzlich für Empörung. So wurde ausgerechnet das konventionelle Renaissance-Theater, lange aus Töpfen der Szene gespeist, jetzt grundlos wieder "nach oben" gestuft. Die fatale Aktion raubt der freien Szene jährlich einen Millionenbetrag und verhindert den Aufstieg anderer.
Die zweite System-Krankheit sind die Kriterien, nach denen die Mittel verteilt werden: Wer in seinem Antrag auskömmliche Honorare für Künstler einplant, hat schon mal keine Chance, weil die Mittel zu knapp sind und viele Projekte ein bisschen was bekommen sollen. Beispiele aus der Praxis sehen so aus: Ein Produktionsleiter arbeitet für 2,08 Euro die Stunde, ein Tänzer für 3,12 Euro. Der Regisseur, Autor und Darsteller bekommt für ein Stück 6,25 Euro bei einer 40-Stunden-Woche. Zur Erinnerung - es geht um staatlich geförderte Projekte. Und zum Einsatz kommen keine Hobby- oder Laienspieler, sondern Künstler nach der Ausbildung. Eine Studie von 2009, die Arbeitszeit und Einkommen von 4000 Theater-Freiberuflern untersuchte, stellt fest: Sie sind überwiegend sehr gut ausgebildet, mehrsprachig, flexibel, mobil, belastbar, vor allem aber: arm. Zwei Drittel arbeiten im Niedriglohnbereich.
Wenn ein ausgebildeter Koch bei einer Zeitarbeitsfirma für 6,50 Euro die Stunde schuften muss, wird er von Talkshow zu Talkshow gereicht und allgemeine Empörung ist ihm sicher. Jeder Politiker verteidigt Mindestlöhne für Fensterputzer. Eine Tänzerin, die als Sechsjährige erstmals an die Stange geht, sich mit 40 einen neuen Beruf suchen muss, dazwischen mit martialischer Disziplin eine Leidenschaft verfolgt, findet für ihre lächerlichen Honorare nicht mal Aufmerksamkeit.
Aber Freiberufler sind in der Kultur keine Minderheit mehr, auch wenn dieser Status gern als "Übergangsstadium" in eine feste Stelle angesehen wird. Nein - die Künstler verbringen als Freie ihr Leben. Die Kulturszene nimmt eine gesellschaftliche Entwicklung vorweg, die zeigt, wohin die Reise geht, wenn aus einem Land von Festangestellten ein Land von Freiberuflern wird. Elf Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland sind heute Freiberufler, in der Kultur sind es schon 50 Prozent.
Wie reagieren die Modelle der Kulturförderung darauf? Überhaupt nicht. Vier Millionen Euro Fördermittel gehen in die hoch innovative Freie Szene (Projekt-, Spielstätten- und Basisförderung) mit ihren extrem schlanken Strukturen und hoher Produktivität. 250 Millionen Euro fließen in die großen Bühnen. Dort gibt es jetzt zusätzliche Steuermittel, um die Tarife aufzustocken. Dass auch in der freien Szene ein höherer Einkommensbedarf bestehen könnte, spielt dagegen nicht mal in politischen Sonntagsreden eine Rolle. Da kommt nur die Coolness, Andersartigkeit und Anziehungskraft der weltberühmten Berliner Szene vor. Die allerdings ist für Fremde oft spannender als das Etablierte.
Ralf Ollertz und Toula Limnaios haben 230 000 Euro Fördermittel beantragt, 90 000 Euro reichen nicht mehr für die ambitionierte Compagnie. Für die fühlen sie sich verantwortlich, die wollen sie nach all den Jahren angemessen bezahlen. Auch erwarten sie Respekt für ihre Arbeit von der Politik. Die Tänzer sollen nicht nach acht Stunden Proben kellnern gehen müssen. Aber wahrscheinlich ist das zu viel verlangt.
------------------------------
"Freiberufler sind gut ausgebildet, flexibel, mobil, belastbar, mehrsprachig und arm." Studie von 2009
------------------------------
Foto: Tänzer der Compagnie Toula Limnaios in dem Stück "Reading Tosca"

 

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

 

HAUSHALT
Gemein, ideenlos und ungerecht
Birgit Walter
Bescheiden und unheroisch hatten sich die Berliner Kulturpolitiker gegeben, als sie sich vor einem Monat in die Ferien verabschiedeten und vorher die Eckdaten für den nächsten Kulturhaushalt verabschiedeten: Um 16 Millionen Euro hatten sie ihn aufgestockt. Er wächst ab 2010 von 354 Millionen auf 390 Millionen im Jahr, wobei 20 Millionen Euro davon eine Art "Durchläufer für Mieten" sind. Aber immerhin: 16 Millionen mehr, und das mitten in der Krise. Erstmals seit 1995 gibt es auch Geld, um das Personal besser zu bezahlen. Bisher mussten die Theater und Museen immer sehen, wo sie Tariferhöhungen für ihre Mitarbeiter einsparen: Weniger Stücke, weniger Leute, weniger Ausstattung - diese Dinge standen zur Auswahl. Es gibt kein Theater mehr, das nicht voller Energiesparlampen hängt.
16 Millionen Euro mehr
Nun in der Sommerpause sickern die konkreten Zahlen langsam durch, über die ab September beraten wird, und man versteht, warum die Kulturverwaltung sie eher uneifrig verkündete: Sie sind gemein und ungerecht. So steigen allein die Subventionen für die drei Opern um 2,4 Millionen auf 120,7 Millionen. Ja, es ist gut, dass Mitarbeiter, die in den letzten Jahren wie alle Landesbediensteten auf 10 Prozent Gehalt verzichten mussten, nun wieder auskömmlicher verdienen. Andererseits war ihnen dafür auch der Arbeitsplatz vor Kündigung sicher. Und vor allem: Die Opern bekommen schon ab 2009 zwanzig Millionen zusätzlich.
Hier ergänzend einige andere Zahlen: 1 Million mehr für das Deutsche Theater, 1 Million für die Volksbühne und 300 000 Euro zusätzlich für den Friedrichstadtpalast. Das ist alles in Ordnung, keinem wird der Aufwuchs missgönnt. Allein verglichen mit der Förderung, die in die kreative freie Szene geht, ist dieser Haushaltsansatz rabiat, roh und ideenlos. Er gibt der einen Hälfte des künstlerischen Personals der Hauptstadt, die schon ordentlich abgesichert ist, und ignoriert die andere Hälfte, die ein Gedeihen der Hochkultur erst ermöglicht und für die sie weltberühmt ist. In der sogenannten freien Szene, die mit Fördermitteln ausgestattet wird, gibt es international gefragte und künstlerisch über jeden Zweifel erhabene Compagnien, die trotzdem über Jahre unterhalb des Existenzminimums leben. Zwei, drei oder vier Euro Stundenlohn sind hier nicht die Ausnahme. Jeder zweite Künstler in Berlin ist ein Freiberufler, aber in die freie Szene investierte Berlin bisher den vergleichsweise lächerlichen Betrag von 9,2 Millionen Euro. Das Unglaubliche: Künftig wird dafür (Projekt-, Basis- und Konzeptförderung) nur noch 7,9 Millionen ausgegeben, also 1,3 Millionen weniger.
Dagegen wird der Kulturstaatssekretär einwenden, dass zum Ausgleich das Renaissance-Theater nicht mehr aus den Töpfen der freien Szene bedient wird. Aber da hat es auch nie hingehört. Das ist ein Theater, das mit seinem Programm und 2,1 Millionen Euro jährlich den unsubventionierten Bühnen unlautere Konkurrenz macht, etwa den Kudamm-Bühnen. Aber der freien Szene, der die Fördermodelle Aufstiegschancen einräumen sollen, der fehlen nun 1,3 Millionen Euro.
Letzte Woche haben deren Vertreter in der Kulturverwaltung vorgetragen, dass auch diese Künstler von ihrer Arbeit leben wollen. Sie forderten eine Art Honoraruntergrenze für geförderte Projekte - und damit 10 Millionen Euro mehr. Natürlich entbehrt das nicht einer gewissen Frechheit. Aber es ist auch eine scharfe Klage gegen die Unkreativität der Politik, einfach immer weiter zu machen wie bisher, egal wie sich die Szenen verändern. Egal, wie berühmt die Freien werden, sie bleiben auf unterstem Niveau. Der Haushalt sei fertig, wurde ihren Vertretern beschieden. Es gebe keine Chance auf mehr Geld.

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

extraDrei

extraDrei2

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

 

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

____________________________________________zum Seitenanfang_______________________________________

Aus dem Internet Blog von Stefan Liebich, Direktkandidat der LINKEN (und inzwischen direkt gewählter Abgeordneter unseres Wahlkreises):

20. September 2009, 08:00 Uhr , geschrieben von Stefan

 

Just another Wahlkampfsamstag

Der Chor des ehemaligen Erich-Fried-Gymnasiums singt für die WABE
Foto: Stefan Liebich

Am morgen ein Infostand in Niederschönhausen. Dort habe ich die Mutter einer jungen Frau getroffen, für die ich im Mai die Jugendweiherede gehalten habe. Passiert immer wieder. Dann weiter zum S-Bahnhof Prenzlauer Allee, dort mit der anderen linken Kandidatin aus dem Prenzlauer Berg, Halina Wawzyniak, Infomaterial verteilt. Die Prenzlauer ist schließlich die Grenze zwischen den Direktwahlkreisen 77 und 84. Mich dann mit unserem Kulturstadtrat Michail Nelken getroffen um eine Podiumsdiskussion vorzubereiten, die auf dem Fuße folgte. Ein Aktionsbündnis von Künstlerinnen uns Künstlern kämpft dagegen, dass in unserem Bezirk, wie von SPD und Bündnis 90 / Die Grünen gegen alle anderen Parteien in der BVV beschlossen wurde, die Jugendprojekte, die jetzt im Eliashof arbeiten, in den Thälmannpark (Wabe, Theater unter Dach) ziehen sollen. Das passt nämlich gar nicht und geht zu Lasten der kommunalen Kultur. Wer mehr wissen will, klickt hier.