Offener Brief an Matthias Köhne, Bezirksbürgermeister von Pankow

vom
Aktionsbündnis Berliner Künstler gegen den Kulturabbau in Pankow
www.aktionsbuendnis-berliner-kuenstler.de
kuenstlerprotest@aol.com

per Mail an
matthias.koehne@ba-pankow.verwalt-berlin.de

Zur Kenntnis an
Vorsteher der BVV Pankow, Herrn Burkhard Kleinert, bvvb10@ba-pankow.verwalt-berlin.de

Berlin, 12.07.2009

Sehr geehrter Herr Köhne, auf Ihrer Homepage versprechen Sie:

"Glaubwürdig und bürgernah die Interessen Pankows vertreten, darin sehe ich meine Aufgabe als Bezirksbürgermeister. Glaubwürdigkeit bedeutet auch unbequeme Wahrheiten aussprechen, den Leuten nicht opportunistisch nach dem Munde reden und keine falschen Versprechungen machen. … Ich möchte, dass die Menschen gerne in Pankow leben und hierher ziehen. Ich will das fördern, was dazu dient, dass alle Bürgerinnen und Bürger gleichberechtigt am gesellschaftlichen und kulturellen Leben im Bezirk teilhaben können."

Wir haben dieses Zitat an den Beginn unseres offenen Briefes gestellt, weil wir Ihre Selbstdarstellung ernst nehmen und Sie daher um Stellungnahme zu aktuellen Problemen des Bezirks bitten. In den Pressemeldungen auf Ihrer Website fehlen leider die Artikel um die Auseinandersetzung um den Thälmannpark. Sie finden Sie unter www.aktionsbündnis-berliner-kuenstler.de Dazu haben wir einige Fragen und bitten um Ihre Antworten.

Aus der Drucksache VI-0599 der BVV Pankow, Beschluss vom 1. April 2009:

I.Das Kinder- und Jugendkulturzentrum "Eliashof", Senefelderstr. 6, in 10437 Berlin, wird mit der Zielsetzung ab dem Schuljahr 2010/ 2011 eine 2-zügige Grundschule aufzunehmen zu einem integrierten Schul- und Musikschulstandort entwickelt.
II.Das Bezirksamt entwickelt zusammen mit den Betroffenen ein Konzept zur Verlagerung der
Jugendkulturangebote des Eliashofs in andere geeignete bezirkliche Objekte.
V.Für die am Eliashof ansässigen Initiativen und den Musikschulstandort in der Pappelallee werden umgehend
Ersatzstandorte geschaffen. Die Initiativen werden möglichst gemeinsam vorzugsweise im Sanierungsgebiet
Helmholtzplatz oder in der näheren Umgebung untergebracht.
a. Als Ausweichstandort für die Initiativen ist das Kulturensemble im Thälmannpark zu prüfen. Diese Prüfung
und eventuelle Umsetzung soll in enger Abstimmung mit den dort bereits ansässigen Angeboten, den aus dem
Eliashof zu verlagernden Initiativen, dem Fachbereich Kunst und Kultur und der BVV geschehen. Hierfür soll
eine Projektgruppe unter Beteiligung der genannten Akteure unter Leitung einer Vertreterin/eines Vertreters der
BVV eingerichtet werden.

Ist mit "Ersatzstandorte schaffen" gemeint, dass die bezirklichen Einrichtungen des Kulturareals Thälmannpark den freien Initiativen aus dem Eliashof Platz machen sollen? Wir zitieren noch einmal: Das Kulturareal Thälmannpark sollte als "möglicher" Ausweichstandort geprüft werden und zwar in "enger Abstimmung mit den dort bereits ansässigen Angeboten". Die Fraktionen von SPD und Bündnis90/ Grüne haben sich in der Aufgabenstellung der BVV offenbar verlesen oder sie haben eine sehr eigenwillige Interpretation, wenn Sie nun in Ihrem Antrag für die BVV am 15.07.2009 "Kulturensemble am Thälmannpark- Konzeption" formulieren:

Drucksache VI-0841
Für die Konzepterstellung sind die folgenden Rahmenvorgaben maßgeblich:…
o Berücksichtigung der konzeptionellen Integration sowie räumlichen Unterbringung der derzeit noch im Kinder- und Jugendkulturzentrum Eliashof ansässigen Initiativen (Murkelbühne, Prenzlkasper, Flatback & Cry, Klangschmiede, Interkulturelle Kiezbühne Prenzlauer Berg und Initiative Bürgerstiftung Prenzlauer Berg).
o Weiterentwicklung der derzeit im Thälmannparkensemble ansässigen und der ggf. zu verlagernden Angebote (s.o.)

Auf Deutsch: Die Initiativen aus dem Eliashof sind im Thälmannpark unterzubringen und die dortigen Angebote müssen eben weichen, wenn der Platz nicht reicht. Unter www.aktionsbuendnis-berliner-kuenstler.de sprechen sich jedoch über 400 bekannte Künstler für die Notwendigkeit aus, diese bezirklichen Einrichtungen und ihr Konzept zu erhalten. Die Projektgruppe "Thälmannpark" hat ihre Arbeit noch nicht beendet, deshalb wundert es uns, auf welcher Basis Ihre Partei und Bündnis90/ Grüne jetzt von den Abgeordneten der BVV eine Abstimmung erwarten. Wir sind uns ja in der Projektgruppe "Thälmannpark" in vielem nicht einig, aber wir haben immerhin gemeinsam die räumlichen Kapazitäten geprüft.

Und die haben Folgendes ergeben:
Platzangebot im Thälmannpark ca. 1.200 qm. Diese Fläche wird von den bezirklichen Einrichtungen voll genutzt. Selbst nach Sanierung und Umbau ist absolut unmöglich, die Initiativen aus dem Eliashof aufzunehmen, denn diese haben einen Platzbedarf von 1.110 qm angemeldet!

Und daher kommen wir jetzt zu unseren Fragen:
1. Noch im April 2009 haben Sie gesagt, dass es nicht zu einer Situation kommen darf, in der Kultur gegen Kultur ausgespielt wird. Wie beurteilen Sie die Situation jetzt und welche Schlüsse ziehen Sie daraus?
2. Wenn Sie in Ihrer Homepage dazu stehen, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen, dann wäre jetzt eine Gelegenheit dazu. Haben Sie als Bezirksbürgermeister vor, die bezirklichen Einrichtungen aus dem Thälmannpark zu verdrängen?
3. Wenn ja- warum?
4. Wenn nicht- was unternehmen Sie, um dies zu verhindern?
5. Wie ist Ihre Haltung zum Abwicklungsvorschlag "Kulturensemble am Thälmannpark- Konzeption" (Drucksache VI-0841)?
6. Welches Abstimmungsverhalten werden Sie den Mitgliedern Ihrer Fraktion raten und warum?


Wir werden diesen offenen Brief und auch Ihre Antwort auf unserer Website veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

Für das
Aktionsbündnis Berliner Künstler gegen den Kulturabbau in Pankow

Wenke Hardt, Ralph Hüttig, Daniela Herr, Prof. Jens Becker