Den Kulturprojekten im Eliashof wurde in der BVV versprochen,
einen Ausweichstandort zu finden. Nachdem anfangs viele Möglichkeiten
im Gespräch waren, wird plötzlich nur noch eine Option geprüft: das kommunale Kulturareal am Ernst-Thälmann-Park.
Dieses Kulturareal ist dafür bekannt, einer großen Anzahl
von freischaffenden Künstlern ohne jede Profitorientierung eine
professionelle Infrastruktur zu bieten, die von fachkundigen Mitarbeitern
betreut wird. Alle seine Einrichtungen werden seit vielen Jahren durch
professionelle Leitung kreativ und künstlerisch entwickelt. Die
persönliche Betreuung durch die Mitarbeiter bewirkt einen Austausch
mit den Künstlern weit über eine temporäre Zusammenarbeit
hinaus. Seit 23 Jahren wird dieser Standort durch unzählige Künstler
aller Kunstrichtungen geprägt, profiliert und befindet sich in
ständiger Veränderung. Ständige Veränderung deshalb,
weil hier Freiräume für viele Künstler gehalten
und bereitgestellt werden, für Künstler, welche nicht fest
mit den Einrichtungen verbunden sind, aber ihnen verbunden bleiben,
weil sie diese Freiräume nicht nur schätzen sondern auch brauchen.
Dieses Konzept erreicht, dass immer wieder neue Künstler aller
Sparten diesen Ort nutzen und für sich entdecken, die gleichzeitig
immer wieder neues Publikum aller Zielgruppen mit ihrer Kunst erreichen,
begeistern und binden.
Durch diese Künstler und dieses Konzept wird auf
dem Areal ein gewachsenes und breit angelegtes Spektrum auf hohem Niveau
bedient: Konzerte aller Genres, multimediale Veranstaltungen, Festivals
und Projekte, hochkarätige Theaterproduktionen, künstlerische
Kurse in den Bereichen Bildende und Darstellende Kunst, Konzerte der Musikschule "Béla
Bartók", wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer
Künstler.
In der WABE hatten Bands ihre ersten Auftritte, die heute jeder kennt- Wir sind
Helden, Mia, Rosenstolz. Dies zeigt deutlich, was der inhaltliche Schwerpunkt
dieser Einrichtung ist: die Entdeckung und Förderung junger Nachwuchsmusiker.
Des weiteren bietet die WABE Raum für experimentelle
Konzepte und ist mit ihrer Multifunktionalität ein professioneller
Arbeits- und Veranstaltungsort für Künstler. Die WABE ist
durch internationale Gastspiele und Konzerte sowie durch die Teilnahme
an der popkomm auch international bekannt. Die WABE hat drei Mitarbeiter
(eine Leiterin und zwei Veranstaltungstechniker).
Das Theater
unterm Dach fungiert als Startrampe für den Regienachwuchs.
Es entdeckt und fördert junge Künstler und ermöglicht
ihnen temporär eine kontinuierliche Entwicklung. Der Erfolg dieser
Spielstätte liegt unter anderem begründet in der fachlich
sensiblen Auswahl der zu fördernden Regisseure. Aus dem TuD gingen
inzwischen etablierte Theaterregisseure wie Jo Fabian, Sebastian Hartmann,
Jan Jochymski, Astrid Griesbach, Amina Gusner und Anja Gronau hervor,
die mit ihren am TuD entstandenen Arbeiten national und international
Aufsehen erregten und dafür wertvolle Theaterpreise erhielten.
Das Theater unterm Dach hat drei Mitarbeiter (eine Leiterin und zwei
Bühnentechniker).
Die Galerie
parterre ist eine der interessanten und wichtigen öffentlichen
Galerien der Stadt und widmet sich in ihren Ausstellungen den Arbeiten
zeitgenössischer Künstler, denen ein werkorientierter Kunstbegriff
gemeinsam ist. Die Galerie kooperiert mit zahlreichen Museen, Institutionen
und Kunstvereinen. Dauerhafter Kooperationspartner ist der Berliner
Kabinett e.V., welcher den Egmont-Schaefer-Preis für Zeichnung
vergibt. Die Leiterin der Galerie ist zugleich für die kommunale
Kunstsammlung des Bezirkes verantwortlich, welche hier ihre Räume
hat und der Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Sammlung vereint
etwa 2.000 Werke von ungefähr 360 Berliner Künstlern.
Wesentliche Inhalte der Arbeit des Kunsthaus
e.V. sind Nachwuchsförderung und Berufsvorbereitung. Der Kunsthaus
e.V. realisiert künstlerische Kurse, Workshops und Projekte in
den Bereichen Malerei, Keramik, Siebdruck, Bildhauerei, Tanz, Theater,
Fotografie und Film für verschiedene Altersgruppen an. Darüber
hinaus bietet der Kunsthaus e.V. Projekten temporärer und fester
Kooperationspartner in den künstlerischen Werkstätten, der
Theateretage und dem Ballettsaal Plattform und Raum. Die Dozenten des
Kunsthaus e.V. sind freiberufliche Künstler.
Wenn durch die Politiker die hier beschriebenen Inhalte,
die Qualität, das Konzept und die fachliche Kompetenz der Mitarbeiter
und Künstler dieses Kulturareals in Frage gestellt werden, so stellen
sie auch all die Künstler in Frage, die mit ihrer Arbeit diese
Einrichtungen geprägt haben und prägen. Sollte nicht besser
in Frage gestellt werden, warum seit Jahren nicht in dieses Areal investiert
wurde? Eine Sanierung der Gebäude ist längst überfällig.
Es werden so gut wie keine Mittel für Öffentlichkeitsarbeit
bereitgestellt. Anstatt in das vorhandene Potential zu investieren,
machen sich unsere Politiker "kreative" Gedanken, wie sie
das Areal unauffällig abwickeln können...
Ihre Idee: Jetzt sollen die Kinder- und Jugendprojekte vom Eliashof
in den Thälmann- Park umziehen. Fakt ist jedoch, dass die vorhandenen
Raumkapazitäten dort bereits ausgelastet sind. Ziehen die Freien
Träger des Eliashofs in das Kulturareal Thälmann- Park ein,
stirbt das bestehende qualitativ hochwertige Kulturangebot. Damit werden
nicht nur Künstler gegeneinander ausgespielt, sondern der Bezirk
spart auch noch seinen größten selbst verwalteten Kulturstandort
weg. Wie praktisch!
Kommunale Kultur kostet nämlich Geld und davon gibt es im Bezirk
zu wenig. Im Moment gibt es zeitgleich einen Kampf im Abgeordnetenhaus
um den laufenden Haushalt 2009. So haben Künstler Förderzusagen
bekommen, die nicht eingehalten werden, weil der Bezirk Pankow zuwenig
Mittel vom Senat bekommen hat. Da liegt der Gedanke nahe, wie bequem
es doch wäre, wenn es das Theater unterm Dach gar nicht mehr gäbe
und die WABE nicht und Kunsthaus nicht und die Galerie parterre auch
nicht
Die Gefahr ist: Die Hülle bleibt, damit die Öffentlichkeit
nicht beunruhigt ist, die Profile werden ausgetauscht gegen soziokulturelle
und kommerzielle Angebote unter Weiternutzung der populären Namen
der bewährten Einrichtungen.
In den letzten Jahren wurden allein in Berlin-Pankow bereits weggespart:
Galerie im Brechthaus Weißensee, Freilichtbühne Weißensee,
Kulturhaus Pankow, Kulturhaus "Peter Edel" und das Literaturprogramm
"Wolkenbügel". Fördermittel in allen Bereichen der
Kunst und Kultur wurden auf ein unerträgliches Maß minimiert.
Jetzt steht der letzte und größte kommunale Kulturstandort
zur Disposition!
SPD und Grüne in der BVV Pankow versuchen im Moment
bewußt, das inhaltliche Konzept der kulturellen Einrichtungen
WABE, Theater unterm Dach, Galerie parterre und Kunsthaus e.V. in Frage
zu stellen und zu kippen. Bitte verfolgen Sie im Internet unter www.berlin.de/ba-pankow/bvv-online die Entscheidungen der Politiker, die Sie mit gewählt haben. Schauen
Sie dazu in die Protokolle der aktuellen Sitzungen und in die namentlichen
Abstimmungsergebnisse. Ziehen Sie ihre Schlüsse daraus für
die nächste Kommunalwahl!
Wir werden nicht hinnehmen, dass dieses Kulturareal
zerstört wird! Wir wenden uns gegen den exemplarischen Abbau von
Basiskultur in der Stadt Berlin.
Wir schaffen dafür Öffentlichkeit!
Unsere Unterschrift gegen Kulturabbau!
Schließt Euch an unter
www.aktionsbuendnis-berliner-kuenstler.de
Berlin, Stand vom 18.07.09 (work in progress)
Wenn auch Sie sich mit Ihrer Unterschrift dem Protest
anschließen möchten,
senden Sie Ihren Namen, Mailadresse und Beruf an: kuenstlerprotest@aol.com
Sie werden dann umgehend auf die Liste gesetzt.
Jeder Unterstützer ist herzlich willkommen und natürlich nicht nur Künstler!