Was ist passiert?

Vor einigen Jahren wurde im Areal Helmholtzplatz eine Grundschule geschlossen, weil die Kommunalpolitiker einschätzten, dass der Prenzlauer Berg in den nächsten Jahren weniger Schulen braucht. So entstand in der ehemaligen Grundschule Senefelder Straße 6 das Kinder- und Jugendkulturzentrum Eliashof. Dort bieten Freie Träger und Vereine ein kontinuierliches Angebot insbesondere für die Bereiche Tanz, Kinder- und Puppentheater. Vor cirka zwei Jahren wurde den Politikern in Pankow klar, dass im Prenzlauer Berg besonders viele Kinder geboren wurden. Außerdem fand ein reger Zuzug von Familien mit Kindern statt. Erst im Frühjahr 2009, als das Problem durch den akuten Mangel an Grundschulplätzen nicht mehr zu verdrängen war, handelten sie: SPD und Grüne fassten einen schnellen und folgenschweren Mehrheitsbeschluss. Die Freien Träger müssen den Eliashof nun wieder verlassen, damit dort eine Grundschule einziehen kann. Es ist aber jetzt schon bekannt, dass die geplante Schule den Bedarf an Grundschulplätzen bei weitem nicht abdeckt! Die Folgen sind, dass die Freien Träger und Künstler obdachlos werden und der Bezirk Pankow EU- Mittel in Millionenhöhe aus der sowieso leeren Haushaltskasse zurückzahlen muss. Eine grundsätzliche Lösung, nämlich der Bau einer neuen Grundschule, wurde dagegen sehr schnell als Möglichkeit ausgeschlossen.

Konkretes Abstimmungsverhalten der Parteien (BVV Pankow, 01.04. 2009):

SPD - Fraktion geschlossen für die Schließung des Eliashofes
Bündnis 90/ Grüne - Fraktion geschlossen für die Schließung des Eliashofes
Linksfraktion 8 Enthaltungen, 3 Stimmen gegen die Schließung des Eliashofs
CDU - Fraktion geschlossene Enthaltung
FDP - Fraktion geschlossen gegen die Schließung des Eliashofes
Fraktionslose Abgeordnete 1 Enthaltung

Den Kulturprojekten im Eliashof wurde in der BVV versprochen, einen Ausweichstandort zu finden. Nachdem anfangs viele Möglichkeiten im Gespräch waren, wird plötzlich nur noch eine Option geprüft: das kommunale Kulturareal am Ernst-Thälmann-Park.
Dieses Kulturareal ist dafür bekannt, einer großen Anzahl von freischaffenden Künstlern ohne jede Profitorientierung eine professionelle Infrastruktur zu bieten, die von fachkundigen Mitarbeitern betreut wird. Alle seine Einrichtungen werden seit vielen Jahren durch professionelle Leitung kreativ und künstlerisch entwickelt. Die persönliche Betreuung durch die Mitarbeiter bewirkt einen Austausch mit den Künstlern weit über eine temporäre Zusammenarbeit hinaus. Seit 23 Jahren wird dieser Standort durch unzählige Künstler aller Kunstrichtungen geprägt, profiliert und befindet sich in ständiger Veränderung. Ständige Veränderung deshalb, weil hier Freiräume für viele Künstler gehalten und bereitgestellt werden, für Künstler, welche nicht fest mit den Einrichtungen verbunden sind, aber ihnen verbunden bleiben, weil sie diese Freiräume nicht nur schätzen sondern auch brauchen. Dieses Konzept erreicht, dass immer wieder neue Künstler aller Sparten diesen Ort nutzen und für sich entdecken, die gleichzeitig immer wieder neues Publikum aller Zielgruppen mit ihrer Kunst erreichen, begeistern und binden.

Durch diese Künstler und dieses Konzept wird auf dem Areal ein gewachsenes und breit angelegtes Spektrum auf hohem Niveau bedient: Konzerte aller Genres, multimediale Veranstaltungen, Festivals und Projekte, hochkarätige Theaterproduktionen, künstlerische Kurse in den Bereichen Bildende und Darstellende Kunst, Konzerte der Musikschule "Béla Bartók", wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Künstler.

In der WABE hatten Bands ihre ersten Auftritte, die heute jeder kennt- Wir sind Helden, Mia, Rosenstolz. Dies zeigt deutlich, was der inhaltliche Schwerpunkt dieser Einrichtung ist: die Entdeckung und Förderung junger Nachwuchsmusiker. Des weiteren bietet die WABE Raum für experimentelle Konzepte und ist mit ihrer Multifunktionalität ein professioneller Arbeits- und Veranstaltungsort für Künstler. Die WABE ist durch internationale Gastspiele und Konzerte sowie durch die Teilnahme an der popkomm auch international bekannt. Die WABE hat drei Mitarbeiter (eine Leiterin und zwei Veranstaltungstechniker).

Das Theater unterm Dach fungiert als Startrampe für den Regienachwuchs. Es entdeckt und fördert junge Künstler und ermöglicht ihnen temporär eine kontinuierliche Entwicklung. Der Erfolg dieser Spielstätte liegt unter anderem begründet in der fachlich sensiblen Auswahl der zu fördernden Regisseure. Aus dem TuD gingen inzwischen etablierte Theaterregisseure wie Jo Fabian, Sebastian Hartmann, Jan Jochymski, Astrid Griesbach, Amina Gusner und Anja Gronau hervor, die mit ihren am TuD entstandenen Arbeiten national und international Aufsehen erregten und dafür wertvolle Theaterpreise erhielten.
Das Theater unterm Dach hat drei Mitarbeiter (eine Leiterin und zwei Bühnentechniker).

Die Galerie parterre ist eine der interessanten und wichtigen öffentlichen Galerien der Stadt und widmet sich in ihren Ausstellungen den Arbeiten zeitgenössischer Künstler, denen ein werkorientierter Kunstbegriff gemeinsam ist. Die Galerie kooperiert mit zahlreichen Museen, Institutionen und Kunstvereinen. Dauerhafter Kooperationspartner ist der Berliner Kabinett e.V., welcher den Egmont-Schaefer-Preis für Zeichnung vergibt. Die Leiterin der Galerie ist zugleich für die kommunale Kunstsammlung des Bezirkes verantwortlich, welche hier ihre Räume hat und der Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Sammlung vereint etwa 2.000 Werke von ungefähr 360 Berliner Künstlern.

Wesentliche Inhalte der Arbeit des Kunsthaus e.V. sind Nachwuchsförderung und Berufsvorbereitung. Der Kunsthaus e.V. realisiert künstlerische Kurse, Workshops und Projekte in den Bereichen Malerei, Keramik, Siebdruck, Bildhauerei, Tanz, Theater, Fotografie und Film für verschiedene Altersgruppen an. Darüber hinaus bietet der Kunsthaus e.V. Projekten temporärer und fester Kooperationspartner in den künstlerischen Werkstätten, der Theateretage und dem Ballettsaal Plattform und Raum. Die Dozenten des Kunsthaus e.V. sind freiberufliche Künstler.

Wenn durch die Politiker die hier beschriebenen Inhalte, die Qualität, das Konzept und die fachliche Kompetenz der Mitarbeiter und Künstler dieses Kulturareals in Frage gestellt werden, so stellen sie auch all die Künstler in Frage, die mit ihrer Arbeit diese Einrichtungen geprägt haben und prägen. Sollte nicht besser in Frage gestellt werden, warum seit Jahren nicht in dieses Areal investiert wurde? Eine Sanierung der Gebäude ist längst überfällig. Es werden so gut wie keine Mittel für Öffentlichkeitsarbeit bereitgestellt. Anstatt in das vorhandene Potential zu investieren, machen sich unsere Politiker "kreative" Gedanken, wie sie das Areal unauffällig abwickeln können...
Ihre Idee: Jetzt sollen die Kinder- und Jugendprojekte vom Eliashof in den Thälmann- Park umziehen. Fakt ist jedoch, dass die vorhandenen Raumkapazitäten dort bereits ausgelastet sind. Ziehen die Freien Träger des Eliashofs in das Kulturareal Thälmann- Park ein, stirbt das bestehende qualitativ hochwertige Kulturangebot. Damit werden nicht nur Künstler gegeneinander ausgespielt, sondern der Bezirk spart auch noch seinen größten selbst verwalteten Kulturstandort weg. Wie praktisch!
Kommunale Kultur kostet nämlich Geld und davon gibt es im Bezirk zu wenig. Im Moment gibt es zeitgleich einen Kampf im Abgeordnetenhaus um den laufenden Haushalt 2009. So haben Künstler Förderzusagen bekommen, die nicht eingehalten werden, weil der Bezirk Pankow zuwenig Mittel vom Senat bekommen hat. Da liegt der Gedanke nahe, wie bequem es doch wäre, wenn es das Theater unterm Dach gar nicht mehr gäbe und die WABE nicht und Kunsthaus nicht und die Galerie parterre auch nicht… Die Gefahr ist: Die Hülle bleibt, damit die Öffentlichkeit nicht beunruhigt ist, die Profile werden ausgetauscht gegen soziokulturelle und kommerzielle Angebote unter Weiternutzung der populären Namen der bewährten Einrichtungen.
In den letzten Jahren wurden allein in Berlin-Pankow bereits weggespart: Galerie im Brechthaus Weißensee, Freilichtbühne Weißensee, Kulturhaus Pankow, Kulturhaus "Peter Edel" und das Literaturprogramm "Wolkenbügel". Fördermittel in allen Bereichen der Kunst und Kultur wurden auf ein unerträgliches Maß minimiert. Jetzt steht der letzte und größte kommunale Kulturstandort zur Disposition!

SPD und Grüne in der BVV Pankow versuchen im Moment bewußt, das inhaltliche Konzept der kulturellen Einrichtungen WABE, Theater unterm Dach, Galerie parterre und Kunsthaus e.V. in Frage zu stellen und zu kippen. Bitte verfolgen Sie im Internet unter www.berlin.de/ba-pankow/bvv-online die Entscheidungen der Politiker, die Sie mit gewählt haben. Schauen Sie dazu in die Protokolle der aktuellen Sitzungen und in die namentlichen Abstimmungsergebnisse. Ziehen Sie ihre Schlüsse daraus für die nächste Kommunalwahl!

Wir werden nicht hinnehmen, dass dieses Kulturareal zerstört wird! Wir wenden uns gegen den exemplarischen Abbau von Basiskultur in der Stadt Berlin.

Wir schaffen dafür Öffentlichkeit!
Unsere Unterschrift gegen Kulturabbau!

Schließt Euch an unter
www.aktionsbuendnis-berliner-kuenstler.de
Berlin, Stand vom 18.07.09 (work in progress)


Wenn auch Sie sich mit Ihrer Unterschrift dem Protest anschließen möchten,
senden Sie Ihren Namen, Mailadresse und Beruf an
: kuenstlerprotest@aol.com
Sie werden dann umgehend auf die Liste gesetzt.
Jeder Unterstützer ist herzlich willkommen und natürlich nicht nur Künstler!

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